Kurzprosa: Kirschen

Kirschen waren neben Erdbeeren schon immer mein liebstes Obst. Man muss sie nicht schälen oder an ihnen herumpulen. Sie werden einfach von Baum gepflückt und in den Mund geschoben. Besonders spaßig ist es, wenn die knackigen, roten Kugeln noch an ihren Stängeln hängen. Als Kind habe ich sie mir an die Ohren gehängt und als Erwachsene meinem Freund beim Liebesspiel verführerisch vor die Nase gehalten. Süßkirschen sind nahezu perfekt. Sie sind süß, saftig, erfrischend, einzig der Kern verhindert ihre Vollkommenheit. Doch selbst der kleine, hartelies weiter …

Steine

Steine Ich bin gefüllt mit Steinen, groß und rund. Man kann sie klackern hören bei jedem schweren Schritt. Manchmal versuche ich zu hüpfen, gebe ihnen einen Takt nachdem sich das Leben einfach nicht richten will. Dabei klingen sie so schön, meine Steine. Das Leben ist ein Miststück!   11.02.12lies weiter …

Kurzprosa: Die dunkle Farbe war schon vor Jahren aus seinen Haaren gewichen. Alles was sie zurückgelassen hatte, war ein dreckiges Grau, das ihn beim Blick in den Spiegel quälte. Auch die Stoppeln um sein alterndes Kinn waren von weißen Strähnen durchzogen. Sie passten sich den Falten um Augen und Nase an. Seine Haut war fahl, grobporig, hatte an Elastizität verloren. Nur der geschwungene Mund und eine zartes Leuchten in den Augen ließen einen leisen Hauch von Jugend erahnen. Er stand lange da, betrachtete sich selbst auf der schwarzen Fläche des Schaufensters, das in der Dunkelheit sein Bild auf ihn zurückwarf. Die Gewalt, mit der der Gedanke des Alterns in sein Bewusstsein drang, war so heftig, dass ihm die Tränen in die Augen schossen. Bisher hatte sein Alter nie eine Rolle gespielt, doch jetzt wurde ihm bewusst, dass sein zerfallender Körper unaufhaltsam auf den Tod zuschritt. Das jahrelange Rauchen, die zahlreichen Alkoholexzesse und das ungesunde Leben hatten ihn gezeichnet. Seine Finger berührten die tiefen Furchen unter seinen Augen. Waren sie die Zeichen seines selbstzerstörerischen Lebensstils? Wie weit würden sie noch wandern? Seinen Körper verschandeln? Sah es in ihm genauso aus? Am liebsten hätte er sich die Landschaft alternder Haut aus dem Gesicht gerissen, gern die grauen Haare mit einem Hammer in den Kopf geschlagen. Sein Körper wurde steif vor Wut, jeder seiner Muskeln war gespannt. Er hatte die Kiefer so fest aufeinander gepresst, dass ein Knirschen die nächtliche Stille durchzog. Jede Pore seiner Haut wollte den drohenden Zerfall nach draußen pressen, loswerden, abstoßen. Mit einem dumpfen Geräusch sank er auf die Knie. Sein Herz raste. Mit einem lauten Schluchzen begann er mit seinen Fäusten auf den Asphalt unter ihm einzuschlagen. Mit aller Kraft schlug er seine Verzweiflung in den Boden. Die Haut an seinen Fingern platzte. Sein Blut spritzte bei jedem Schlag auf die Steine. Doch auch vom Schmerz wurden die übermächtigen Gefühle in ihm nicht gelindert oder wenigstens betäubt. Als alle Knochen seiner Hände in tausend kleine Stücke gebrochen waren, hielt er einen Moment inne. Sein Atem ging schwer. Das alles hatte keinen Sinn. Es war Zeit damit aufzuhören. Er sammelte alle Kraft, die noch in seinem Körper verweilte und schlug mit alleszerstörender Wucht seinen Kopf auf den Boden. Als sein faltiges Gesicht mit den geschwungenen Lippen den Asphalt erreichte, war das letzte was er hörte das Geräusch von splitterndem Holz.

Die dunkle Farbe war schon vor Jahren aus seinen Haaren gewichen. Alles was sie zurückgelassen  hatte, war ein dreckiges Grau, das ihn beim Blick in den Spiegel quälte. Auch die Stoppeln um sein alterndes Kinn waren von weißen Strähnen durchzogen. Sie passten sich den Falten um Augen und Nase an. Seine Haut war fahl, grobporig, hatte an Elastizität verloren. Nur der geschwungene Mund und eine zartes Leuchten in den Augen ließen einen leisen Hauch von Jugend erahnen. Er stand lange da, betrachtete sich selbst auflies weiter …

Lyrik: Wir sind gebrochen, mein Herz

Wir sind gebrochen, mein Herz Wir sind gebrochen, mein Herz wir sind an der Welt zerbrochen tragen die Sinnflut in uns nehmen sie mit, wohin wir auch gehn Wir sind zerissen, mein Herz uns hat die Menschheit zerfetzt wir spiegeln Schmerz und Verlust schwimmen davon in Betrug Wir sind verschwunden, mein Herz vor den Augen der Welt aufgelöst Spuren hinterlassen wir keine verwehen wie staubroter Wind Wir sind verglüht, mein Herz sind zu Funken zerborsten verbrannt an uns selber verflogen in eisigem Licht 12.12.11lies weiter …

Verschwommenes Portrait von Mina Mondlilie im Winter

Winter   Sanft berührt mein nackter Fuß Die unberührte Schicht aus Schnee Als würde etwas Zerbrechliches unter Dem weißen Tuch auf mich warten. Die schneidende Kälte zerreißt mir Den Fuß in tausend kleine Schnipsel. Und doch kann ich ihn nicht mehr heben. Er scheint mit dem grellen Teppich verschmolzen zu sein. Es hält mich fest, ganz fest am Boden Und niemand hört mich schrei’n. Der Winter schluckt hier jedes Wort Macht mich für alle Ohren stumm. So bleibt mir nur noch eins zu tun: Ichlies weiter …