Die Sache mit den anderen

Die Sache mit den anderen

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da ging es mir nicht gut. Ich war nicht belastbar und musste mich durch vieles hindurch quälen. In dieser Phase habe ich mich von den Menschen um mich herum entfernt, weil ich das Gefühl hatte, nicht so zu sein wie andere. Ich musste auf die harte Tour lernen, dass es für mich vielleicht gar nicht gut ist, zu sein wie andere. Das Problem dabei war, dass ich ein schlechtes Gewissen hatte, wenn ich nicht das tat, was vom mir erwartet wurde. Wenn ich nicht tat, was alle anderen machten.

In meiner Familie ist ein geregeltes Leben etwas sehr Positives. „Lerne was Anständiges.“ und „Mach deine Schule, damit du es später mal besser hast.“ waren Sätze, die ich nicht nur einmal gehört habe. Hinter solchen Ratschlägen steckt die Sorge um das eigene Kind, das sich im Leben zurechtfinden muss. Meine Familie will, dass es mir gut geht, dass ich mir all die hübschen Dinge leisten kann, die sie sich nicht leisten konnten und das ist schön. Gleichzeitig ist es ein Zeichen dafür, dass ich den bekannten, eigeschlagenen Weg meiner Familie weitergehen sollte, nur eben mit mehr finanziellen Mitteln. Meine Mutter hat mir nie vorgegeben, welchen Beruf ich wählen sollte, doch eine Orientierung zu einem geregelten Job schwang immer mit. Beständigkeit und Sicherheit bedeuten Sorgenfreiheit.

Wer (wie ich) aber versucht neue Wege einzuschlagen kann schnell auf Verständnislosigkeit treffen. Dies geschieht nicht aus Boshaftigkeit. Meine Beweggründe und Ideen kann ich noch so gut beschreiben, sie bleiben doch meine und sind für andere schwer nachvollziehbar. Niemand kann in mich hineinsehen oder alles nachempfinden. An diesen Stellen kann es schwierig werden eine Balance zwischen den guten Ratschlägen der Familie und den eigenen Wünschen zu finden. Wenn der Einfluss der anderen zu groß ist, läuft man Gefahr selbst unter zu gehen.

Neben dem Studium habe ich für mich selbst gesorgt, habe gearbeitet und dabei auch Jobs gemacht, die mich völlig ausgelaugt haben. Nicht jeder Job ist die Hölle, aber es gibt Arbeit, die alle Energie verzehrt und nichts für andere Tätigkeiten übrig lässt. Jede Leidenschaft wird dann getötet und jegliche Inspiration verschwindet. Von der kreativen Arbeit, die mich persönlich ausfüllt, kann ich leider (noch) nicht leben. Ich bin daher auf Jobs angewiesen, die mir mein Auskommen sichern. Bei diesem Spagat zwischen müssen und wollen kommt es bei mir zu einem inneren Kampf, der gern durch Kommentare verstärkt wird, die seltsamerweise meist von Menschen kommen, die mich kaum kennen.

„Wie? Du arbeitest keine vollen 40 Stunden im Büro? Ist dir das zu anstrengend? Aber andere schaffen das doch auch!“ Ja klar, andere können sich auch die Beine hinter den Kopf klemmen! Muss ich das deshalb auch machen? Nimmt man meine kreative Arbeit an eigenen Projekten zu meinem Job im Büro dazu, komme ich sogar auf weit mehr als 40 Stunden.

Doch ist das überhaupt die eigentliche Frage? Nur weil ich Vollzeit in einem Büro arbeiten kann, heißt das nicht, dass ich es auch WILL. Jeder Mensch ist anders. Die Vorstellungen von Leben und Arbeiten fallen für jeden anders aus. Nur weil es einer Mehrheit in der Gesellschaft gut mit etwas geht (und das steht für mich noch nicht einmal fest), muss es nicht das gleiche für mich bedeuten. Was wenn ein geregeltes Leben, wie es sich andere wünschen, zu meinem persönlichen Unglück führt? Wie soll ich anderen begreiflich machen, dass ein „normaler“ Lebensentwurf etwas ist was mir Angst macht?

Ich für mich habe entschieden, einfach darauf zu verzichten anderen meinen Kopf erklären zu wollen. Wer mich liebt, nimmt mich so wie ich bin und ist glücklich wenn ich mit etwas glücklich bin. Konstruktive Kritik nehme ich gern entgegen und entscheide selbst was ich damit anstellen möchte. All die anderen, die mich nicht verstehen wollen, müssen das nicht. Ich spare mir die Energie mich zu rechtfertigen und stecke sie lieber in die Beziehungen zu Menschen, die mich unterstützen.

#keinerechfertigungnötigdanke

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