Porträt von Mina Mondlilie zum Thema Die Sache mit der Bescheidenheit

Die Sache mit der Bescheidenheit

Bescheidenheit? Scheiß drauf! Heute komme ich gleich mit dem Fazit des Blogposts durch die Tür geprescht. Ich nehme die Erleuchtung also gleich vorweg. Macht nichts, denn dieser Punkt ist mir wichtig. Seit ein paar Tagen schon geht mir die Sache mit der Bescheidenheit durch den Kopf. Dort hockt der Gedanke und lässt mich nicht mehr los.

Bisher war ich immer stolz darauf bescheiden zu sein. In meiner Familie, wie in vielen anderen auch, wurde und wird Bescheidenheit groß geschrieben. Wie Höflichkeit, Freundlichkeit und Ordnung  gehört sie zu guten Manieren dazu. Besonders Mädchen wird anerzogen, die eigenen Bedürfnisse hinter die anderer zu stellen und möglichst still nur das Nötigste für sich zu behalten. Das gilt als edel und fürsorglich. An sich ist das ein sozialer Gedanke. Für sich nicht den ganzen Teller Kekse zu beanspruchen, sondern anderen davon abzugeben, ist schön und stärkt mit Sicherheit auch die Bindung zu anderen Menschen.

Häufig wird Kindern jedoch ein zu bescheidenes Verhalten beigebracht. Wenn ich das etwas genauer betrachte, beginnt sich der Sinn dahinter aufzulösen. Dann hat Bescheidenheit für mich nichts mehr mit sozialem Verhalten zu tun. Sich selbst immer hinter anzustellen oder ganz zu vernachlässigen, ist keine gute Idee.

Auf meiner Wunschliste für Weihnachten standen früher höchstens zwei oder drei Dinge, die ich vom Weihnachtsmann haben wollte. Meine Mutter lächelte beim Anblick der Liste und lobte mich für meine Bescheidenheit. Heute frage ich mich, was so schlimm daran gewesen wäre, sich hundert Dinge zu wünschen. Bringt uns diese anerzogene Einschränkung unserer Wünsche nicht dazu, uns von den Sternen fernzuhalten, nach denen wir greifen sollten? Irgendwann haben wir dieses Verhalten so verinnerlicht, dass wir uns selbst zensieren, uns denken, Dinge nicht verdient zu haben. Wieso sollte mir etwas zustehen, was jemand anderes nicht hat? Darf es mir gut gehen, obwohl andere leiden?

Bei mir führt dieses Denken zu einem Teufelskreis, der mich in meiner Bewegungsfreiheit extrem einschränkt. Wie soll ich erkennen was ich will, was meine Wünsche sind, wenn ich ein schlechtes Gewissen habe, überhaupt etwas zu wollen.

Wenn ich mir aber andersherum die Frage stelle, was schadet es anderen, wenn ich meine Träume verwirkliche, fällt mir selten eine Antwort ein. Ich gehe nicht über Leichen, um meine Ziele zu erreichen. Ich achte auf meine Mitmenschen. Wenn ich keinem Schaden zufüge, wieso sollte ich dann nicht das Recht haben, zu sein wie ich bin, zu nehmen was ich brauche? Auch wenn andere die selben Möglichkeiten nicht erreichen. Soll ich mich deshalb zurückhalten und damit verleugnen?

Trotz dieses Wissens, funktioniert meine bescheidene innere Stimme bestens und rührt sich immer, wenn ich einem Wunsch nach etwas nachgebe. Deshalb an dieser Stelle einen Gruß an meine innere Stimme: Schön, dass du da bist, aber halt den Rand! Es ist okay hoch hinaus zu wollen! Es ist okay besser als andere zu sein! Red mich nicht klein, denn damit ist niemandem geholfen! Lass mich groß werden und vielen anderen eine Inspiration und Hilfe sein, selbst groß zu werden. Denn in Zeiten wie diesen mit rücksichtslosen Narzissten, die mehr und mehr Macht gewinnen, sind starke, soziale Menschen wichtig!

Macht euch frei! Greift nach den Sternen!

Bescheidenheit? Scheiß drauf!

#scheißaufbescheidenheit

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