Mina Mondlilie auf einem Waldweg mit Licht von oben

Die Sache mit der Distanz

Distanz und Nähe. Es ist das ewig gleiche Spiel. Leider ein sehr anstrengendes für mich.

Ich verstecke mich gern hinter einer robusten Fassade. Nicht weil ich es so mag, sondern weil es mir zur Gewohnheit geworden ist. Das bedeutet nicht, dass ich unfreundlich oder abweisend anderen gegenüber auftrete. Das Gegenteil ist der Fall. Ich schotte mich hinter einer Mauer aus Höflichkeit ab. Auf Nachfrage geht es mir immer gut. Nichts kann mich erschüttern. Nichts meine Welt ins Wanken bringen. Ich bin die Ruhe selbst. Mit einem Lächeln halte ich alle auf Distanz, die mir zu nahe kommen könnten noch bevor sie die Gelegenheit bekommen mich zu verletzen.

Das Dumme dabei ist, dass die meisten Menschen keinerlei Absicht haben dies zu tun. Doch die Distanz ist meinerseits bereits wie ein tiefer Graben gezogen und lässt auch die friedfertigen, liebenswerten Menschen nicht mehr durch.

Um zu mir eine engere Beziehung aufzubauen braucht es Geduld. Nur wer sich die Zeit nimmt und sich die Mühe macht hinter mein poliertes Lächeln zu sehen, hat eine Chance einen Blick auf den wahren Kern zu erhaschen. Dabei gebe ich mir Mühe mich zu öffnen, es Menschen leichter zu machen, mich zu erreichen. Mit der Zeit bin ich besser darin geworden, doch bleibt es ein anstrengendes Unterfangen.

Wenn es jemand durch meinen Graben schafft, eine Verbindung zu mir aufbauen kann und erstmal in meinem Herzen einen Platz gefunden hat, kann ich die Fassade langsam abbauen. Ich lasse mich auf die anderen ein. Doch fällt es mir dann schwer eine gesunde emotionale Distanz zu wahren. Dann leide ich bei Verletzungen anderer sehr stark mit, mache mir viele Gedanken um die Probleme meiner Lieben und vergesse, dass es sich nicht um meine eigenen handelt. Der Drang zu helfen oder zu schützen wird riesig. Trotzdem halte ich mich selbst zurück, aus Angst die Grenzen meines Gegenübers zu überschreiten. Was wenn der andere meine Hilfe nicht will? Was wenn mein Schutz als Bevormundung aufgefasst wird? Was wenn der andere mich wegstößt? Der Kampf mit Distanz und Nähe wird mir auf Dauer unerträglich, weil ich mich selbst kaum spüre in diesem Wirrwarr.

Die Verletzlichkeit, die dabei entsteht, macht mir Angst. Meine Haut wird so dünn, dass eine Zurückweisung anderer oder zu harsche Kritik an mir wie eine Granate mein Herz zerfetzt und ich am Boden zerstört bin. Dann ziehe ich wieder den Graben zwischen mich und die anderen bis ich meine Wunden geleckt habe. Die Distanz hilft mir die Situation neu zu betrachten, wieder eine Verbindung zur Welt herzustellen. Das Spiel beginnt von vorn.

Mir ist bewusst, dass dies kein gesunder Umgang mit anderen ist und ich einen Weg finden muss, anders mit meinen Ängsten umzugehen. Ich arbeite daran. Doch gerade in Zeiten, in denen es mir nicht gut geht, ist Distanz meine beste und manchmal sogar einzige Verteidigung.

Wer das erkennt und akzeptieren kann, hat in mir eine loyale und gute Freundin. Für meine Lieben gehe ich durch jeden Sturm, mache ihre Welt ein wenig bunter oder kann ihr Felsen sein. Für sie mache ich mich verletzlich und lasse meine Mauern sinken. Für sie flute ich den Graben mit Butterblümchen und das polierte Lächeln wird zu einem echten.

#diesachemitderdistanz

 

 

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