Traumtagebuch: Die Treppe

Traumtagebuch: Die Treppe (mein erster)

In meiner Reihe „Traumtagebuch“ teile ich meine nächtlichen Geschichten mit euch. Die oft wirren Auswüchse meines Unterbewusstseins, die mir in so mancher Nacht das Herz rasen lassen (im positiven wie im negativen Sinn), bieten mir immer wieder die Möglichkeit darüber nachzudenken, was mich gerade im Inneren beschäftigt.

Ereignisse, von denen ich nicht dachte, dass sie einen besonderen Einfluss auf mich haben, entladen sich oft nachts. Dies zeigt mir, dass das scheinbar Bedeutungslose doch nicht so bedeutungslos für mich ist. Was ich am Tage verdrängen kann, holt mich schnell in meinen Träumen wieder ein.

Dabei findet mein Kopf erstaunliche Bilder. Manchmal wache ich aus einem Traum auf und bin überwältigt von der Wucht des Erlebten. Besser könnte es Hollywood nicht inszenieren. Allerdings können seltene hyperrealistische Träume in Kombination mit dieser Bilderwucht meine Nacht schockartig beenden und mich als zitternden Schatten in meinem Bett zurücklassen.

Macht euch gern mit mir auf die Reise durch meine Träume. Kommentiert und interpretiert sie. Teilt mir eure Träume und Erfahrungen mit. Ich bin gespannt…

Der folgende Traum ist der erste, an den ich mich bewusst erinnern kann. Er begleitete mich einige Zeit in meiner Kindheit mit kleinen Variationen. Die klarste Erinnerung ist diese:

 

Die Treppe

Ich war unterwegs in meiner Nachbarschaft. Das Gefühl verfolgt zu werden kam in mir auf und ließ mich immer schneller die Straße entlanglaufen. Vorbei an meinem alten Kindergarten, Neubaublöcken und der Kneipe, in der ich schon einmal mit meinen Eltern war. Wer hinter mir her war, wusste ich nicht, doch das beunruhigende Gefühl wurde immer stärker.

Um mich zu verstecken lief ich zu einem der Neubaublöcke auf der linken Seite. Ich trat durch die Hautür. Anders als in den Blöcken, die ich kannte, war hier keiner der etwas angeranzten, eckigen Hausflure, sondern eine runde, ziemlich steile Wendeltreppe aus Stein, die nach oben führte. So schnell mich meine kleinen Füße trugen, stieg ich diese Treppe nach oben. Immer im Kreis laufend führte sie mich weiter und weiter hinauf. Ich lief und lief ohne ein Ende zu sehen.

Dann sah ich einen Treppenabsatz. Ich hielt an und lauschte ob sich unter mir etwas bewegte. Mit klopfendem Herzen hörte ich Schritte, die mir folgten. Sie waren ganz nah, schon fast bei mir. Doch statt eines fremden Verfolgers sah ich meine Mutter unter mir die Wendeltreppe hinaufsteigen. Sie war ganz normal, ohne Eile. In ihrer Hand trug sie den alten, lila Einkaufskorb aus Plastik, dessen große Maschen einen Blick auf die Einkäufe freigaben.  Meine Mutter ging ruhig an mir vorbei ohne mich zu beachten. Hinter mir war aus dem Nichts eine Tür aufgetaucht, hinter der sie, ohne ein weiteres Wort an mich zu richten, verschwand. Ich blieb allein im Flur zurück.

Wieder lauschte ich, was unter mir auf der Treppe geschah. Wieder hörte ich jemanden und setzte meinen Weg nach oben fort. Nun ging ich nicht mehr so schnell, aber ich lief und lief und lief. Ich kann mich nicht mehr erinnern wie lange ich die Treppe erklomm, doch der Aufstieg endete erst als mein Bewusstsein den neuen Tag begrüßte…

 

Treppen sind ein häufiges Motiv in Träumen. Wie ist das bei euch? Habt auch ihr schon einen klassischen Treppentraum erlebt? Was denkt ihr, hat die Treppe zu bedeuten?

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