Traumtagebuch von Mina Mondlilie Einbruch

Traumtagebuch: Einbruch

Geschlossene Räume symbolisieren oft das eigene Selbst in einem Traum. Die eigene (Gefühls-) Welt oder der eigene Körper wird dann durch Wohnungen, Keller oder ganze Gebäude repräsentiert.

Ich befinde mich in meinen Träumen oft in der Wohnung, in der ich aufwuchs. Für mich ist dieser spezielle Ort ein Raum voller alter Gefühle. Die Wohnung war hellhörig, zugig und (obwohl wir uns viel Mühe mit der Einrichtung gaben) kalt. Nie wieder möchte ich dort wohnen, doch in meinen Träumen erlebe ich dort die unterschiedlichsten Dinge.

Die Wohnung, in der ich seit einigen Jahren lebe, hat sich hingegen zu einem Zuhause entwickelt. Ein Platz, den ich nach meinen Wünschen gestaltet habe und der mir in hektischen Zeiten Schutz und Ruhe bietet. In meinen Träumen allerdings wird gerade in dieser Wohnung immer wieder eingebrochen. Da ich mich sehr mit ihr identifiziere, sind diese nächtlichen Ereignisse auch irgendwie Einbrüche in mein Selbst, meinen Kopf. Die Überschreitung meiner Grenzen durch eine fremde Gefahr. Die Bedrohung von außen ist dabei immer existenziell. Es geht um mein Leben.

Ich stehe in meinem Wohnzimmer. Alles ist ruhig. Langsam steige ich die zwei kleinen Stufen zum Nebenraum herunter und schaue in den Flur. Er ist leer und ich habe freien Blick auf die Eingangstür. Merkwürdigerweise ist die Tür geöffnet, nicht weit, nur einen Spalt breit. In meinem Bauch steigt ein ungutes Gefühl in mir auf. Ich bewege mich auf die Wohnungstür zu, um sie zu schließen. Mit jedem Schritt auf sie zu vergrößert sich mein Unbehagen. Noch immer ist alles still.

Als ich die Tür schnell schließen will, drückt jemand fest von außen gegen sie. Überrascht und in einem Anflug von Panik drücke ich dagegen. Ich stemme mich mit meinem ganzen Körper gegen das Holz. Doch ich bin zu schwach. Eine Hand greift um die Tür herum, drückt gegen die Kante. Der Spalt wird immer breiter bis zwei Männer sichtbar werden. Ohne ein Wort zu sagen betreten sie den Flur und kommen auf mich zu. Ich weiß in diesem Moment, dass sie mir etwas antun werden.

Ich versuche zu schreien, aber kein einziger Ton verlässt meinen Mund. Ich weiche ein paar Schritte zurück. Einen Moment lang denke ich an Flucht, doch auch meine Beine habe ich jetzt nicht mehr unter Kontrolle. Dann steige ich langsam in die Luft auf. Wie ein Ballon schwebe ich zur Decke. Die beiden Männer sehen ungerührt zu mir auf, wie ich schräg über ihnen weiter aufsteige. Mit unbewegter Miene greift der erste nach meinem Arm. Er packt mich am Handgelenk und zieht mich nach unten…

Diese Träume haben eine intensive Spannung inne. Mein Kopf ahnt, was als nächstes passieren wird und setzt diese Befürchtungen mit surrealen Details in Szene. Auch wenn diese Einbrüche in meine Privatsphäre nicht die schlimmsten Träume sind, dich ich kenne, ist das Unbehagen und die Hilflosigkeit meinerseits den Angreifern gegenüber verstörend. Mittlerweile kann ich auch in meinen nächtlichen Abenteuern anders reagieren. Ich schaffe es Eindringlinge anzuschreien oder mich anders gegen sie zu wehren. Trotzdem versuchen sie weiter in meinen Raum einzudringen. Dieses Thema scheint für mich also noch nicht beendet zu sein.

Wie ist das bei euch? Welche Geschichten erlebt ihr in euren Räumen? Wie sehen eure Räume aus? Kehrt ihr an Orte eurer Kindheit zurück? Und wer versucht in eure Räume einzubrechen?

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