Traumtagebuch Ertrinken

Traumtagebuch: Ertrinken

In meinen Träumen ertrinke ich ab und an. Nicht regelmäßig. Nicht markerschütternd. Aber doch immer wieder. Das Setting kann dabei stark variieren. Mal bin ich in düsterer Natur unterwegs, mal finde ich mich in einem hellen Schwimmbad voller lachender Menschen wieder. Eines haben aber alle dieser Träume gemeinsam. Sie bringen mein Herz zum rasen. Im Schlaf halte ich den Atem an, wenn ich untergehe und wache abrupt auf, wenn ich den ersten befreienden Atemzug unter Wasser mache:

Einmal war ich an einem See. Obwohl es noch nicht Nacht war, war der Himmel dunkel. Alles war in ein graugrünes Licht getaucht, wie bei einem herannahenden Sturm. Ich befand mich bereits im tiefen Wasser und zog im düsteren See meine Runden. Ich schwamm ohne Hast durch das trübe Wasser als sich plötzlich Algen um meine Füße wickelten. Ich mochte das Gefühl nicht und versuchte mich von der Stelle des Sees zu entfernen, doch je weiter ich schwamm, desto mehr Pflanzen konnte ich an meinen Beinen spüren. Langsam schnürten sie sich fester um meine Füße und zogen mich nach unten. Ich kämpfte gegen sie an, verhakte mich aber nur fester. Dann konnte ich mich nicht mehr oben halten und verschwand unter die Oberfläche. Ich hielt den Atem an. Unter Wasser konnte ich die dunklen Umrisse der Algen erkennen. Überall waren glitschige Bänder, die mehr und mehr von meinem Körper umfingen und mich immer weiter nach unten zogen. Der Drang zu atmen wurde stärker. Mein Herz schlug schnell. Mir wurde klar, dass es kein Entkommen gab. Ich ließ das Strampeln und Zerren an den Pflanzen sein, weil ich wusste, es würde nichts bringen. Länger konnte ich den Atem nicht anhalten. Der Drang nach frischer Luft in meinen Lungen wurde übermächtig. Mit einem lauten Japser schnappte ich nach Sauerstoff und riss mich damit selbst aus meinem nassen Grab und erwachte mit rasendem Herzen…

Ein anderes Mal war ich in einem Schwimmbad. Dort war es nicht düster. Eine lange Fensterfront ließ Licht in die Halle mit den verschiedenen Becken. Überall waren fröhliche Menschen, kleine planschende Kinder, glückliche Familien. Ich befand mich in einem Becken für Kinder, wo ein schräger Boden ganz sanft das Wasser tiefer werden lässt. Die flachste Seite dieses Beckens war mit Treppenstufen versehen, auf denen man sitzen konnte und nur mit dem Hintern im Wasser saß. Die Szenerie hatte nichts bedrohliches und trotzdem ging ich langsam unter. Ohne Kampf, ohne schreien sank ich auf den Boden des Beckens. Hätte ich mich aufgestellt, hätte mit das Wasser wahrscheinlich nur bis zur Taille gereicht. Wie ein Sack voller steine saß ich reglos auf dem Boden und konnte die hellblauen Fliesen und Stufen der rettenden Treppe sehen. Wieder schlug mein Herz schnell und wieder wollte mein Körper Luft holen. Ich weiß nicht, was mich davon abhielt wieder nach oben zu steigen, aber mir war klar, dass ich es nicht tun würde. Als meine Lungen es nicht länger ohne Sauerstoff aushielten, erwachte ich mit einem erlösenden Atemzug. Denn in dem Moment als ich unter Wasser zu atmen begann, wurde mir klar, dass ich träumte…

Dieses Traummotiv begegnet mir besonders in stressigen Zeiten. Ich frage mich warum. Spiegeln sie mir das Gefühl der Überforderung? Steht das Wasser für den Druck der über mir zusammenschlägt und mich lebendig begräbt? Ertrinke ich symbolisch am Leben selbst? Oder ist das Wasser als Grundbedingung für die Entstehung von Leben als Chance zu sehen, sich selbst zu erneuern, wenn die Welt um einen herum verrückt spielt? Die Interpretationsmöglichkeiten sind endlos…

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